Shared vs. Dedicated IPs beim E-Mail-Versand – Pro- und Kontra auf Sender- und Empfängerseite

Beim Einrichten eines IP-Setups für den Versand von Mailings über ein E-Mail-Marketing System stellt sich die Frage nach der Verwendung eines gemeinsamen IP-Pools für mehrere Versender (shared IPs) oder der dedizierten Nutzung eigener IPs für nur einen Versender. Beides hat Vor- und Nachteile für den Sender und sollte entsprechend durchdacht werden.

Im Laufe der letzten Jahre ist dieses Thema immer wieder aufgekommen und der Einfluss neuer Entwicklungen und Technologien  wie IPv6, DKIM, DMARC diskutiert worden. Eine einfache Antwort auf die Frage, welche der beiden Methoden zu verwenden ist,  scheint noch nicht in greifbarer Nähe.

IP Reputation vs. Domainreputation

Die Entscheidung über die Annahme von E-Mails bzw. deren Zustellbarkeit in die Inbox oder den Spamordner fällt zunehmend aufgrund  der Reputation eines Absenders. Verschiedene Einflussfaktoren wie Öffnungs– und Klickrate, Hardbounces, Löschverhalten und Spam-Meldungen werden über einen Zeitraum von mehreren Wochen beobachtet und qualifiziert.Diese Bewertung kann auf Basis der Absender-IP oder Absenderdomain getroffen werden.

Sichtweise der ISPs

Während sich die großen amerikanischen Internet Service Provider (ISPs) Hotmail, Yahoo und allen voran GMail auf die Domainreputation konzentrieren, ist in Deutschland und Europa die Bewertung auf Basis der Absender-IP das vorherrschende Maß der Dinge.

Vor- und Nachteile gibt es bei beiden Möglichkeiten: IP-Reputation ist technisch einfacher zu implementieren und verwalten und bietet durch SPF einen soliden Schutz hinsichtlich der Authentizität. Die Forderung nach dedizierten IPs für jeden Kunden ist zudem eine wirtschaftliche Frage, da dies natürlich aufwändiger und somit teurer ist.

Domainbasierte Reputation hingegen ist unabhängig vom knapp werdenden IPv4 Adressraum und der Implementierung von IPv6. Allerdings ist der Verwaltungsaufwand auf technischer Seite höher. Zudem sind technische Sicherheitsmeachanismen wie DKIM oder DMARC eine Voraussetzung, um domainbasierte Reputation sinnvoll einsetzen zu können.

Entscheidungsproblematik aus Sicht der E-Mail Service Provider

In der Theorie scheint IP-basierte Reputation eine kostengünstige und faire Lösung bereitzustellen: Jeder Versender bekommt eine oder mehrere IPs zugeteilt und wird ausschließlich anhand seiner eigenen Qualität bemessen und bewertet.

In der Praxis stehen verschiedene Hinderungsgründe entgegen: Zum einen sind schlichtweg nicht genügend IPv4 Adressen da, um alle Versender ausreichend zu versorgen. Die IPv6 Unterstützung auf ISP-Seite ist ebenfalls noch nicht flächendeckend gegeben.

Zum anderen kann durch Zusammenfassung kleinerer, unregelmäßig versendender Kunden in einem gemeinsamen Pool  mitunter eine deutlich bessere Performance erreicht werden. Dies liegt wiederum nicht zuletzt an den großen, amerikatischen ISPs, die den zugelassenen Durchsatz pro Stunde an ein regelmäßiges und möglichst ausgeglichenes „Mindestvolumen“ knüpfen. Zudem gibt es einige ISPs im europäischen und asiatischen Raum, die generell stark auf IP-Basis limitieren – hier kann man den erforderlichen Durchsatz nur durch einen breiteren IP-Rahmen erreichen.

Fazit

Aufgrund der verschiedenen Vor- und Nachteile ist derzeit die situationsgebundene Verwendung von shared und dedicated IPs vorherrschend. Es ist fraglich, ob und wie schnell es hier in Zukunft eine allgemeingültige Lösung hin zur domain- oder IP-basierten Reputation geben wird. Dies wird unter anderem von dem Erfolg und der Verbreitung von IPv6 und DMARC und deren Verwendung auf ISP Seite abhängen.

(Erstveröffentlichung am Mittwoch, 4. Dezember 2013 auf dem Blog von Teradata)

Florian Vierke is Senior Deliverability Specialist with over seven years of experience in all areas of E-Mail Deliverability & Abuse Management. Florian is a member of MAAWG, certified senders alliance and competence group email and maintains a regular presence at conventions and fairs like Internet Security days, email expo or dmexco.

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